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Währungsreform: Weltuntergang oder Neuanfang?

1'158 Antworten344'532 AufrufeGestartet von Marcus Fabian ·

#501
Im Falle Spaniens, dass am Platzen der Immoblase leidet könnte dies eventuell in Bezug auf die Regionalbanken funktionieren. Aber da ist die Immoblase längst geplatzt und Sergio ist arbeitslos.
Sehe ich auch so: in Spanien ist es bereits zu spät.
Mein Hauptargument dagegen: es ist wohl einfach kompliziert und zu aufwändig. Während der Finanzkrisen waren nahezu 10 Mio. Eigenheimbesitzer überschuldet. Allein in den USA! Der Aufwand unter Zeitdruck all jenen zu helfen, die tatsächlich Probleme haben und all jene herauszufiltern, die sich nur an der Tanke des Staates das Konto auffüllen halte ich für sehr schwierig. Da ist es einfacher (wenn wohl auch nicht besser) einfach den Bankentopf von oben mit Kohle zu füllen.
Evtl. wäre es einfach das Beste gewesen, man hätte generell jedem Hypothekarkreditnehmer einen Teil der Hypothekarschuld erlassen und erst dann, falls überhaupt, die Banken gerettet. Das wäre eine einfache Lösung, die auch nur unter den Hypothekarnehmern "gerecht" gewesen wäre.Aber im Grundsatz gebe ich Buf vollkommen recht:
Gegenfrage: Findest Du gerecht, dass Joe Sixpack über seine Verhältnisse gelebt hat, während Du selber Dir halt nicht alles geleistet hast und Du nun siehst, dass Joe Sixpack nun noch "belohnt" wird, weil er zu viel ausgegeben hat? Die Gläubiger von Joe Sixpack sind doch selber Schuld, denn sie haben ihm erst ermöglicht, dass er über seine wirtschaftlichen Verhältnisse gelebt hat. Dann sollten sie auch ihre Konsequenzen tragen.
Es geht in erster Linie darum, OB man überhaupt mit staatlichen Hilfen ins System eingreifen soll und erst in zweiter Linie darum, WIE man eingreift. Insofern finde ich, dass doppelt falsch gehandelt wurde.
#502
Sehe ich auch so. Ich lasse mich nur mässig begeistern, für den Vorschlag der Direkthilfe an die Bürger. - nach welchen Kriterien wird Geld verteilt oder eben nicht? - wie wird geschaut, dass der Bürger seine Unterstützung auch tatsächlich für die Hyp benützt- wie werden Ungleichheiten geregelt, erhält ein arbeitsloser ehemaliger Manager die Zinsen für seine Villa am Wasser? wäre es nicht fairer, er müsste auch Abstriche machen? Kann der Handwerker sein bescheidenes Häuschen dafür behalten? Kriegt auch der Dodge RAM Fahrer mit Rasenmäher zum draufsitzen Unterstützung? Muss ein Kunstsammler erst seine Bilder verkaufen, oder erhält er einfach so Unterstützung? Fragen über Fragen, ich bezweifle, dass eine solche Rettung oder Unterstützung funktioniert hätte. Auch wenn die Idee an und für sich ganz gut ist.

#503
Es geht in erster Linie darum, OB man überhaupt mit staatlichen Hilfen ins System eingreifen soll und erst in zweiter Linie darum, WIE man eingreift. Insofern finde ich, dass doppelt falsch gehandelt wurde.
Einverstanden. Es war ein Fehler, dass der Staat eingegriffen hat. Und es hat für die Zukunft falsche Zeichen gesetzt. Jetzt haben alle das Gefühl, wenn ihre Risiken nicht aufgehen, dass dann der Staat sie retten wird. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Warum haben die Staaten dennoch bei den Banken eingegriffen. Um uns, ihre Kunden zu schützen. Was kann Otto Normalbürger dafür, dass ein paar gierige Manager sich in seiner Bank riskante Wetten eingehen, die die Bank in Ruin treiben? Den Verlust verkraften muss Otto Normalbürger, der vielleicht noch gleich seine Altersvorsorge verliert, während der gierige Manager irgendwo ein schönes Leben machen kann. Das ist halt das Dilemma, in dem der Staat steckt.
#504
Gegenfrage: Findest Du gerecht, dass Joe Sixpack über seine Verhältnisse gelebt hat,
Nein. Hab' ich ja auch geschrieben.
Man soll nicht über seine Verhältnisse leben (aus der Sicht Joe Sixpacks) und man soll genau prüfen, wem man wie viel Geld auslehnt (aus Sicht der Gläubiger). Und dieser Prozess ist sehr schmerzhaft und wird vermutlich auch lange dauern. Ich befürchte, dass gerade mit all den staatlichen Eingriffe der Leidensdruck zu gering ist, um diese Erkenntnis zu reifen.
Die Joe Sixpacks haben sich halt von Teaser-Rates (also 2% Hypothekarzins) verleiten lassen und das Kleingedruckte nicht gelesen, wo drin gestanden wäre, dass diese Rate nur 6 Monate gilt und danach auf marktübliche Hypothekarzinsen umgestellt wird. Also 6%.Klar, kann man jetzt sagen, Joe Sixpack ist selber schuld und hätte das Kleingedruckte halt aufmerksam durchlesen sollen. Man kann den Hypothekarvermittlern auch Betrug vorwerfen. Ist Ansichtssache.Ich mag mich noch erinnern, da genossen Banker in Bezug auf Finanzberatung einen ähnlich guten Ruf wie Ärzte, wenn's um Gesundheit geht. Auch in der Medizin sollte man die Diagnose des Arztes hinterfragen. Aber wer tut das schon?
#505
Die Joe Sixpacks haben sich halt von Teaser-Rates (also 2% Hypothekarzins) verleiten lassen und das Kleingedruckte nicht gelesen, wo drin gestanden wäre, dass diese Rate nur 6 Monate gilt und danach auf marktübliche Hypothekarzinsen umgestellt wird. Also 6%.Klar, kann man jetzt sagen, Joe Sixpack ist selber schuld und hätte das Kleingedruckte halt aufmerksam durchlesen sollen. Man kann den Hypothekarvermittlern auch Betrug vorwerfen. Ist Ansichtssache.
Auf jeden Fall. Um diese Umstände zu bemerken musste man sich allerdings nicht einmal das Kleingedruckte zu Gemüte führen. Ein Aufschlagen einer Hauseigentümerzeitung oder ein Apfelkuchen mit Brünzlikaffee auf einer Autobahnraststätte und ein kurzes Gespräch mit einem Hausbesitzer hätten genügt. Aber man kann natürlich auch alles ins Blaue hinein kaufen und Augen und Ohren gleichzeitig schliessen.
Ich mag mich noch erinnern, da genossen Banker in Bezug auf Finanzberatung einen ähnlich guten Ruf wie Ärzte, wenn's um Gesundheit geht
Daran müssen die Banken unbedingt arbeiten und ich bin überzeugt, dass dieses Vertrauen zurückkommen wird. Es wird dauern, aber zurückkommen wird es. Ich glaube auch, dass es jetzt schon faire Berater gibt, man muss sich halt die Mühe machen etwas zu suchen und einige Insitute konsequent Ausschliessen.
#506
Die Joe Sixpacks haben sich halt von Teaser-Rates (also 2% Hypothekarzins) verleiten lassen [SIZE= px]und das Kleingedruckte nicht gelesen, wo drin gestanden wäre, dass diese Rate nur 6 Monate gilt und danach auf marktübliche Hypothekarzinsen umgestellt wird. Also 6%.[/SIZE]

Klar, kann man jetzt sagen, Joe Sixpack ist selber schuld und hätte das Kleingedruckte halt aufmerksam durchlesen sollen. Man kann den Hypothekarvermittlern auch Betrug vorwerfen. Ist Ansichtssache.
DA liegt m.E. die Schuld des Staates. Etwas das ich schon seit vielen Jahren immer wieder moniere. Es wäre an der Zeit, dass für sämtliche Angebote gilt: Schriftgrösse der Zusatzbedingungen (Stern) muss mindestens der Schriftgrösse des Grundangebotes/Preises entsprechen. Und die Gesamtkosten eines Angebotes (also z.B. die Belastungen) müssen ebenfalls ausgewiesen werden (selbstverständlich in der gleichen Schriftgrösse)
DAS würde sogar Sixpack nach einiger Zeit verstehen. Und vor allem, die Angebote würden immer mindestens zwiseitig, von wegen Platz :banana: Die für die Telefon/Internet-Angebote würden jeweils ungefähr 4-Seitig :dumm:

#507
Es wäre an der Zeit, dass für sämtliche Angebote gilt: Schriftgrösse der Zusatzbedingungen (Stern) muss mindestens der Schriftgrösse des Grundangebotes/Preises entsprechen. Und die Gesamtkosten eines Angebotes (also z.B. die Belastungen) müssen ebenfalls ausgewiesen werden (selbstverständlich in der gleichen Schriftgrösse)
k.A ob das was helfen würde. Ich kenne aus der Praxis viele Formulare, die Kunden unterschreiben müssen und die Gebühren und rechltichen Informationen werden im selben Dokument mit 2 weiteren Seiten erläutert. (übersichtlich, gleiche Schrift wie die Offerte.) Die Leute unterzeichnen und schmeissen die weiteren Blätter weg.
#508
Es wäre an der Zeit, dass für sämtliche Angebote gilt: Schriftgrösse der Zusatzbedingungen (Stern) muss mindestens der Schriftgrösse des Grundangebotes/Preises entsprechen. Und die Gesamtkosten eines Angebotes (also z.B. die Belastungen) müssen ebenfalls ausgewiesen werden (selbstverständlich in der gleichen Schriftgrösse)
k.A ob das was helfen würde. Ich kenne aus der Praxis viele Formulare, die Kunden unterschreiben müssen und die Gebühren und rechltichen Informationen werden im selben Dokument mit 2 weiteren Seiten erläutert. (übersichtlich, gleiche Schrift wie die Offerte.) Die Leute unterzeichnen und schmeissen die weiteren Blätter weg.
Es geht mir nicht um die Formulare BEI ABSCHLUSS des Vertrags. Es geht darum, dass die Leute sehr bewusst mit Köder in die Falle gelockt werden. Wenn das nicht so erfolgreich wäre, so würden die Preise und Bedingungen nicht so unfair klein und unverständlich formuliert irgendwo am untersten Ende hin gedruckt, sondern ehrlich ausgewiesen. Und das in der gleichen Schriftgrösse wie die Lockvogel-Preise. Da dies aber solange nicht geändert werden wird, wie es nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, wäre es überfällig, die Gesetzte entsprechend anzupassen.Ich finde es unfair, wenn vom Konsumenten verlangt wird, dass er das unverständliche Vertragskauderwelsch verstehen soll und ihm scheinheilig die Verantwortung zugeschoben wird. Schliesslich werden diese Klauseln extra dafür von Spezialisten "erfunden", damit der Konsument sie nicht versteht. :evil:
#509
Ich finde es unfair, wenn vom Konsumenten verlangt wird, dass er das unverständliche Vertragskauderwelsch verstehen soll und ihm scheinheilig die Verantwortung zugeschoben wird. Schliesslich werden diese Klauseln extra dafür von Spezialisten "erfunden", damit der Konsument sie nicht versteht. :evil:
Genau!Hand aufs Herz: Wer von uns hat schon die Lizenzbestimmungen bei der Installation einer beliebigen Software durchgelesen, bevor der den "Accept" Button geklickt hat?
#510
Hm, ist zwar noch mehr off topic aber passt zu den vorhergehenden Beiträgen..... Ist doch schon mal ein Anfang :repsekt: http://www.tagesanzeiger.ch/digital/int ... y/23346847

#511
Und wie sieht es gesamtvolkswirtschaftlich aus?
Gehen wir's mal einzeln durch:
Wenn dann eine Bank, die zu viele vermeintlich risikolose Staatsanleihen im Portfolio hat, wird sie zusammenbrechen und daraus entsteht wieder ein neuer Schaden.
Nicht unbedingt. Die Banken haben zwar eine Forderung dem Staat gegenüber, die an Wert verliert aber andererseits eine Schuld der Zentralbank gegenüber.Stellt sich die Frage, wie das geregelt wird: Wenn die Schuld der ZB gegenüber in gleichem Masse abgewertet wird wie die als Sicherheit hinterlegte Staatsanleihe, dann verliert die Bank rein gar nichts. Die ZB trägt in diesem Fall den Verlust. Somit bleibt alles ohne die geringsten Auswirkungen.Sollte jedoch die Schuld der ZB gegenüber gleich bleiben, geht die Bank wohl Pleite.Ich halte aber die erste Variante für die wahrscheinlichere.
Otto Normalverbraucher kann einerseits seine Ersparnisse verlieren und andererseits seinen Job, wenn es die Hausbank seines Arbeitgebers zusammenbricht.
Es ist richtig, dass Otto seine Ersparnisse verlieren kann. Vor allem PK und AHV. Aber andererseits hat er den Vorteil, dass nach dem Haircut das allgemeine Schuldenniveau niedriger ist. Somit auch die Zinsbelastung. Das heisst, dass entweder die Steuern sinken (wenn nur der Staat den Haircut bekommt) oder ganz allgemein auch Produktpreis sinken.Bedenke - hatten wir hier ja schon ausführlich - dass wir als Konsumenten alle Schuldzinsen bezahlen: Unsere eigenen sowieso, die Schulden der Unternehmen über Produktpreise, die Schulden des Staates über Steuern. Fallen die Schulden und Zinsen weg, wird das Leben günstiger.Weiter: Ich glaube da haben die Banken übertrieben mit ihren Horrorszenarien: "Wenn ihr uns nicht rettet, geht die Welt unter".Dass eine Firma zusammenbricht, weil die Hausbank zusammenbricht, halte ich doch für äusserst unwahrscheinlich. Dann wechselt man halt die Bank. Und in der Übergangszeit wird uns schon was einfallen. Z.B. dass der systemrelevante Teil der konkursiten Bank verstaatlicht wird und somit die für die Wirtschaft wichtigen Geschäfte ohne Unterbruch weitergeführt werden.Auch die Bankomaten werden dann noch Geld ausspucken wie gehabt.
Welche Kettenreaktion ist volkswirtschaftlich weniger schädlich? Da kann man vermutlich 5 Experten fragen und kriegt am Schluss 10 Meinungen.
Meine Meinung: Wir haben Probleme, die ihre Ursache in exzessiven Schulden haben. Wir bekämpfen die Symptome durch noch mehr Schulden. Das ist ein unsinniges Spiel auf Zeit und erhöht die Fallhöhe. Man hätte mM nach schon 2008/09 einen Schnitt machen sollen. Die Banken wären Konkurs und die Staaten hätten dann die Wirtschaft/Bürger gerettet. Punktum.Wir hätten jetzt andere Banken, vielleicht eine auf das private-Banking reduzierte, staatliche UBS und wären bereits wieder im nächsten Aufschwung.
Otto Normalverbraucher besitzt in der Regel indirekt Staatsanleihen wegen seiner Pensionskasse. Daher würde ihn ein Haircut auch treffen und hätte, je nach Alter, einen grösseren Renteneinbruch hinzunehmen.
Stimmt. Je älter desto höher, je reicher desto höher ist der Verlust.
#512
Nicht unbedingt. Die Banken haben zwar eine Forderung dem Staat gegenüber, die an Wert verliert aber andererseits eine Schuld der Zentralbank gegenüber.Stellt sich die Frage, wie das geregelt wird: Wenn die Schuld der ZB gegenüber in gleichem Masse abgewertet wird wie die als Sicherheit hinterlegte Staatsanleihe, dann verliert die Bank rein gar nichts. Die ZB trägt in diesem Fall den Verlust. Somit bleibt alles ohne die geringsten Auswirkungen.
Zuerst einmal vielen Dank für Deine klaren Ausführungen. Verstehe ich das richtig, am Schluss haftet die ZB für die Staatsschulden? Ja dann hätten wir doch die ideale Lösung, wie wir uns dem Schuldenproblem entledigen könnten. Die Zentralbanken bieten an, die Staatsschulden zu einem fixen Kurs zu kaufen und dann werden sie vernichtet. Damit würde auf der einen Seite die Schulden der Staaten verschwinden, auf der anderen Seite würde sich die Bilanzsumme der Zentralbanken kürzen. Nehmen wir die FED, diese halten, sagen wir mal 1 Billion USD Treasuries vom Staat. Jetzt können beide Parteien sich einigen, dass die Treasuries vernichtet werden, also sinkt die US-Verschuldung um 1 Billion USD und auf der anderen Seite verkürzt sich die Bilanzsumme der FED entsprechend. Vermutlich würde dann die FED ein negatives EK ausweisen, was für sie nicht schlimm wäre. Somit wäre die ganze Schuldenkrise gelöst. Oder etwa doch nicht? Wäre es so einfach, dann wäre es bestimmt schon diskutiert worden.
Es ist richtig, dass Otto seine Ersparnisse verlieren kann. Vor allem PK und AHV. Aber andererseits hat er den Vorteil, dass nach dem Haircut das allgemeine Schuldenniveau niedriger ist. Somit auch die Zinsbelastung. Das heisst, dass entweder die Steuern sinken (wenn nur der Staat den Haircut bekommt) oder ganz allgemein auch Produktpreis sinken.
Du glaubst auch noch an den Weihnachtsmann. Die Politiker werden dann mit den freigewordenen Mitteln nicht die Steuern senken, sondern gleich neue Ausgaben beschliessen, um ihre Wähler bei Laune zu halten. Deshalb bezweifle ich, dass die Steuern gesenkt wird. Es liegt halt in der Natur des Politikers, mit weiten Armen Geld auszugeben, dass er selbst nicht verdienen muss.
Dass eine Firma zusammenbricht, weil die Hausbank zusammenbricht, halte ich doch für äusserst unwahrscheinlich. Dann wechselt man halt die Bank. Und in der Übergangszeit wird uns schon was einfallen. Z.B. dass der systemrelevante Teil der konkursiten Bank verstaatlicht wird und somit die für die Wirtschaft wichtigen Geschäfte ohne Unterbruch weitergeführt werden.Auch die Bankomaten werden dann noch Geld ausspucken wie gehabt.
OK, wenn der systemrelevante Teil der konkursieten Bank weitergeführt wird, dann bin ich bei Dir. Nur ich bezweifle es, dass es so sein wird. Man sollte immer auch den Worst Case in Betracht ziehen. Was passiert, wenn die Bank nicht verstaatlicht wird und ein Unternehmen diese Bank als Hausbank benutzt hat. Das Unternehmen kommt nicht mehr ans Geld heran, jedoch wollen die Mitarbeiter rechtzeitig ihren Lohn erhalten und die anderen Stakeholdern rechtzeitig, dass ihre Rechnungen bezahlt werden. Dann hat aber das Unternehmen ein Problem.
Meine Meinung: Wir haben Probleme, die ihre Ursache in exzessiven Schulden haben. Wir bekämpfen die Symptome durch noch mehr Schulden. Das ist ein unsinniges Spiel auf Zeit und erhöht die Fallhöhe. Man hätte mM nach schon 2008/09 einen Schnitt machen sollen. Die Banken wären Konkurs und die Staaten hätten dann die Wirtschaft/Bürger gerettet. Punktum.Wir hätten jetzt andere Banken, vielleicht eine auf das private-Banking reduzierte, staatliche UBS und wären bereits wieder im nächsten Aufschwung.
Ich gehe mit Dir einig, wir haben in den letzten Jahrzehnten zu gut gelebt, dachten, wir können alles auf Pump finanzieren. Die Schulden sind gestiegen und gestiegen. Jetzt sind wir an einen Punkt gekommen, wo das nun nicht mehr möglich ist. Wir müssen wieder lernen zu sparen und den Gürtel enger schnallen. Wer den Konsum von morgen schon heute konsumieren möchte, der muss sich dann nicht wundern, dass morgen nichts mehr für den Konsum übrig ist. 2008/2009 habe ich noch anders gedacht, bin aber auch der Meinung, dass das Private-Banking und das Investment-Banking getrennt werden müsste. Ein Trennbankensystem wäre ein wichtiger Schritt zur Beruhigung der Bankenkrise. Ich weiss nicht, wie es innerhalb der UBS oder CS aussieht, aber ich könnte mir vorstellen, dass viele Mitarbeiter im Private-Banking-Bereich angepisst sind, was ihre Kollegen im Investment-Banking alles vergeigt haben.
#513
Verstehe ich das richtig, am Schluss haftet die ZB für die Staatsschulden?
Im Prinzip würde genau das passieren. Extrem vereinfacht formuliert: Die Pumpenkohle, die die Zentralbanken in den letzten Jahren in die Banken gepumpt haben, haben nichts positives für die Realwirtschaft bewirkt. Entsprechend bewirken sie auch nichts negatives, wenn man sie wieder vernichtet.Ist irgendwie auch logisch, denn wir sprechen nicht von Geld, das durch eine Leistung erzeugt wurde sondern von einem Kreditgeld, das nur durch einen Buchungssatz elektronisch, virtuell erzeugt wurde.
Du glaubst auch noch an den Weihnachtsmann. Die Politiker werden dann mit den freigewordenen Mitteln nicht die Steuern senken, sondern gleich neue Ausgaben beschliessen, um ihre Wähler bei Laune zu halten.
Stimmt. An Politiker glaube ich noch weniger als an den Weihnachtsmann oder den Osterhasen ;)Aber selbst wenn Du recht hast (woran ich nicht zweifle) und die Steuern nicht gesenkt werden: Für die Wirtschaft ist es weitaus positiver, wenn jene 10% der Steuereinnahmen, die bisher in Zinsen geflossen sind, nun in echte Projekte fliessen. Wenn Schulen saniert und Schwimmbäder gebaut werden, bringt uns das mehr als wenn das Geld in Form von Zinsen zu Banken fliesst.
Was passiert, wenn die Bank nicht verstaatlicht wird und ein Unternehmen diese Bank als Hausbank benutzt hat. Das Unternehmen kommt nicht mehr ans Geld heran, jedoch wollen die Mitarbeiter rechtzeitig ihren Lohn erhalten und die anderen Stakeholdern rechtzeitig, dass ihre Rechnungen bezahlt werden. Dann hat aber das Unternehmen ein Problem.
Beispiel: Wir schreiben das Jahr 2013, Die UBS steht vor dem Konkurs, weil die Derivateblase geplatzt ist und sie jetzt mit 3000 Mrd. wertlosen Assets dasteht. Sie ist pleite. Die Eidgenossenschaft kann nicht helfen, weil 3000 Mrd. für ein Land mit einem BIP von 550 Mrd. einfach ein zu grosser Brocken ist.Was passiert? Die Schweiz wird erkennen, dass in diesem 3000 Mrd-Brocken ein vergleichsweise kleiner Teil namens Private-Banking mit einem Volumen von vielleicht 100 Mrd. drin steckt, der systemrelevant ist und sogar leicht profitabel. Ergo wird der Investment-Bereich fallen gelassen, der Privat-Bereich gerettet. Alles andere als die Rettung würde auch keinen Sinn machen: 2008 hat man sogar den (sinnlosen) Investment-Teil gerettet. Warum sollte man nun auf den wirklich wichtigen Teil verzichten?
aber ich könnte mir vorstellen, dass viele Mitarbeiter im Private-Banking-Bereich angepisst sind, was ihre Kollegen im Investment-Banking alles vergeigt haben.
Nicht nur das: 1. Die Leute im Private-Banking sind die am Schalter, die den ganzen Frust der Kunden mit einem Lächeln ertragen müssen, obschon sie gar nichts dafür können.2. Sie verdienen weitaus weniger als ihre im Hintergrund agierenden Investment-Banking Kollegen.
#514
Verstehe ich das richtig, am Schluss haftet die ZB für die Staatsschulden?
Im Prinzip würde genau das passieren. Extrem vereinfacht formuliert: Die Pumpenkohle, die die Zentralbanken in den letzten Jahren in die Banken gepumpt haben, haben nichts positives für die Realwirtschaft bewirkt. Entsprechend bewirken sie auch nichts negatives, wenn man sie wieder vernichtet.Ist irgendwie auch logisch, denn wir sprechen nicht von Geld, das durch eine Leistung erzeugt wurde sondern von einem Kreditgeld, das nur durch einen Buchungssatz elektronisch, virtuell erzeugt wurde.
Alles klar. Und warum wird es nicht gemacht? Vermutlich liest kein Politiker in diesem Forum mit. @MF, vielleicht solltest Du in die Politik gehen und denen allen oben mal einen richtigen Tritt in Ar... geben. :P


Aber selbst wenn Du recht hast (woran ich nicht zweifle) und die Steuern nicht gesenkt werden: Für die Wirtschaft ist es weitaus positiver, wenn jene 10% der Steuereinnahmen, die bisher in Zinsen geflossen sind, nun in echte Projekte fliessen. Wenn Schulen saniert und Schwimmbäder gebaut werden, bringt uns das mehr als wenn das Geld in Form von Zinsen zu Banken fliesst.
Aber sind die Staaten nicht deswegen auch überschuldet, weil die Politiker das Geld nur so für Wahlversprechen ausgegeben haben? Griechenland ist ja gerade deswegen pleite gegangen und nicht wegen den Banken. Ich habe es hier schon mehrmals geschrieben, man sollte einfach für den Konsum keine Kredite aufnehmen.
#515
Aber sind die Staaten nicht deswegen auch überschuldet, weil die Politiker das Geld nur so für Wahlversprechen ausgegeben haben? Griechenland ist ja gerade deswegen pleite gegangen und nicht wegen den Banken. Ich habe es hier schon mehrmals geschrieben, man sollte einfach für den Konsum Kredite aufnehmen.
Gegen Kredite ist ja nichts zu sagen, wenn man sinnvoll investiert. Z.B. in eine Maschine, die mehr produziert als sie kostet oder in ein Haus, in dem man in Jungen Jahren leben will und nicht erst, wenn man es sich mit 80 zusammengespart hat.Von Konsumkrediten aber halte ich gar nichts. Da wird zwar kurzfristig ein Boom ausgelöst aber dafür folgt danach unweigerlich der Kater, wenn es ums zahlen geht und weniger konsumiert wird.Die Staaten verschulden sich mittlerweile seit den 1960er Jahren. Erst zögerlich, dann immer dreister und mittlerweile hemmungslos. Also dauert es nicht mehr lange, bis das Ganze kollabiert.
#516
Gemäß Schlesinger heisst es, dass heutiges Sparen der Verzicht auf Gegenwartskonsum in der Erwartung vermehrter Konsummöglichkeiten in der Zukunft ist. Beim Kredit verhält es sich umgekehrt, hier steht dem Vorteil heute ein Nachteil morgen gegenüber."
#517
Gegen Kredite ist ja nichts zu sagen, wenn man sinnvoll investiert. Z.B. in eine Maschine, die mehr produziert als sie kostet oder in ein Haus, in dem man in Jungen Jahren leben will und nicht erst, wenn man es sich mit 80 zusammengespart hat.Von Konsumkrediten aber halte ich gar nichts. Da wird zwar kurzfristig ein Boom ausgelöst aber dafür folgt danach unweigerlich der Kater, wenn es ums zahlen geht und weniger konsumiert wird.Die Staaten verschulden sich mittlerweile seit den 1960er Jahren. Erst zögerlich, dann immer dreister und mittlerweile hemmungslos. Also dauert es nicht mehr lange, bis das Ganze kollabiert.
Da bin ich gleicher Meinung wie Du.
#518
Eine Diskriminierung bei den Krediten nach dem Muster Mehrwert und Sinn durch die Kreditgeber - bspw. eine Bank - finde ich grotesk. Geht doch der Bank nichts an wofür ich einen Kredit ausgebe sollange ich die nötigen Sicherheiten anbieten kann.
Nicht der Kreditgeber sollte sich diese Frage stellen sondern der Kredit-Nehmer. Die Kreditgeber haben ja auch ganz toll die Werbetrommel gerührt: "Leben Sie heute - zahlen Sie später". Das funktioniert auch ganz gut. So lange, bis jener Zeitpunkt eintrifft, den die Werbung als "später" bezeichnet. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden, wenn man sich der Konsequenzen bewusst ist: Die Amerikaner haben seit denn 1990er Jahren im Schnitt 8% mehr ausgegeben als sie eingenommen haben. Entsprechend wurden mit der Zeit Schulden in Höhe von 1-1/2 Jahresgehältern angehäuft. Die Wirtschaft hat von diesem auf Pump geschaffenen Wohlstand entsprechend profitiert.

Nun wird seit 2008 die Rechnung präsentiert, es geht ums Rückzahlen. Sprich: Weniger konsumieren als man eigentlich könnte und Schulden zahlen. Entsprechend nun das Wehklagen der Wirtschaft.

Anstelle des Auf- und Ab mit Schulden-auf und -Abbau, mit Wirtschafts-Boom und -Bust hätte man alternativ immer nur das ausgeben können, das man erarbeitet, verdient hat. Es hätte entsprechend weniger Wirtschaftsaufschwung in den 1990ern gegeben und entsprechend weniger Austerität jetzt. Die langfristigen Schwankungen wären also ausgeglichen worden.

#519
Nur weil sich einige überschätzt haben soll den braven Kreditnehmer dieses Instrument entsogen werden?
Ganz und gar nicht. Das Thema waren ja in erster Linie die Staatsschulden. Von mir aus können wir das auf die Gesamtschulden eines Landes erweitern und dann die Frage stellen, ob und wie diese Schulden wieder abgebaut werden können.Es ist nur anschaulicher für den Leser, diese grossen Zahlen mit den irrsinnig hohen Beträgen auf einfache Verhältnisse herunterzubrechen.

Für den Privatmann ist z.B. klar, dass es keinen Sinn machen würde, die Schulden, die er gestern aufgenommen hat und heute nicht bezahlen kann, durch neue Schulden (Altschuld + Zins) abzulösen und zu meinen, damit sei sein Problem gelöst. Ist es nämlich nicht. Er schiebt nur die Lösung auf der Zeitachse nach rechts und vergrössert gleichzeitig seine Schulden.

Ganz abgesehen davon, dass ihm seine Bank irgendwann keine neuen Kredite mehr geben würde.

Bei den Staatsschulden passiert nun aber genau das: Altschulden werden inklusive der aufgelaufenen Zinsen in Neuschulden übernommen. Und jedes mal, wenn die Politiker ein neues Vehikel finden, die Schulden neu aufzustocken, wird das als "Lösung" gefeiert. Nur darum geht es mir!

Global betrachtet sind es eben nicht nur "einige, die sich überschätzt haben", wie Du schreibst sondern eine grosse Mehrheit. Vor allem eben Staaten, Pensionskassen, Versicherungen, Banken. Aber auch Private.

#520
Global betrachtet sind es eben nicht nur "einige, die sich überschätzt haben", wie Du schreibst sondern eine grosse Mehrheit. Vor allem eben Staaten, Pensionskassen, Versicherungen, Banken. Aber auch Private.
Das andere Problem ist, nicht nur das sich sehr viele sich überschätzt haben, denken auch die meisten nicht daran, die Schulden zurückzuzahlen. Frei nach Homer Simpson: "Von zurückzahlen habt ihr nie ein Wort gesprochen! Und jetzt ändert ihr die Regeln." Und das gilt nicht nur für Private, sondern auch für Staaten. In der Euro-Zone spricht niemand davor, Schulden abzubauen. Schaut mal unsere Politiker an. Macht der Bund einen Überschuss, dann kommen schon Forderungen, wie man das Geld wieder ausgeben könnte. Zum Glück hatten wir in den vergangenen Jahren disziplinierte Finanzminister, die gespart haben und Schulden abgebaut haben.
Ich hätte einen Vorschlag gegen die Schuldenkrise: Was wäre, wenn man die Staatsschulden auf die gesamte Bevölkerung verteilt (vielleicht noch abgestuft mit dem Alter, so dass die Schuldenlast für ein Baby deutlich geringer ist als für jemand, der 80 Jahre alt ist). Somit ist der Staat schuldenfrei und jeder Bürger kann dann mit seinem Schuldenanteil machen, was er will.

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