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Währungsreform: Weltuntergang oder Neuanfang?

1'158 Antworten344'532 AufrufeGestartet von Marcus Fabian ·

#161
Da sind wir ganz einer Meinung und reden nicht aneinander vorbei. Ein Goldstandard wäre sicherlich besser als das aktuelle Fiat-System. Ein Goldstandard während 10 Jahren würde uns wieder auf den Boden der Realität zurückholen "kaufe nur, was Du Dir leisten kannst". Und dieser Satz gilt insbesondere für Banken und Staaten.
Und die 10 Jahre braucht es, damit die "Alten" aus den Teppichetagen verschwinden und die St.Galler eine neue Oekonomen-Generation generieren ;) können. So quasi einen Teil-Generationen-Tausch.
Und betreffend Deinem Beispiel Migros und Vertrauen. Ein gutes Beispiel. Ich kenne den Laden sehr gut. Vor 20 Jahren hätte ich geantwortet, ja ich vertraue der Migros mehr als dem Staat. Heute würde ich dies nicht mehr unterschreiben. Will heissen: Was vor 20 Jahren galt und richtig wahr, kann heute falsch sein. Und vice versa :oops:

#162
... wenn der Besitzer dieser Maschine eine natürliche Person ist, bezahlt er auf dem erwirtschafteten Mehrwert ebenfalls Einkommenssteuer, wenn der Besitzer eine juristische Person ist, bezahlt er darauf Gewinnsteuer, wobei die Gewinnsteuer etwas tiefer ist als die Einkommenssteuer,
Einverstanden. Es müsste halt so geregelt sein, dass die Maschinen, die Arbeiter ersetzen, gleich viel Steuern "bezahlen/generieren" wie die Arbeiter, die sie ablösen.

Will heissen: Was vor 20 Jahren galt und richtig wahr, kann heute falsch sein. Und vice versa :oops:
War nur ein Beispiel. Aber ansonsten einverstanden: "Was heute nicht richtig ist kann morgen ganz falsch sein!" :D
#163
Zum Thema Haushaltsüberschüsse und die Welt finanziert die USA mag ich eigentlich gar nicht mehr diskutieren, da sind wir uns längst einig. Nur verteidigst du irgendwie immer den Goldstandard ob wohl er doch gescheitert ist wie Bretton Woods und Fiat Money. Also brauchen wir längerfristig was anderes.

Vergiss dabei einfach die Probleme des Goldstandards nicht (Tendenz zu Deflation,
Es ist richtig, dass eine Welt unter einem Goldstandard tendenziell deflationär ist.Aber was ist daran auszusetzen? Technischer Fortschritt ist erstrebenswert und zugleich deflationär: Wenn jemand einen Mähdrescher erfindet, der die Arbeit von 200 Menschen macht und somit Weizen -> Mehl -> Brot billiger werden, dann ist das ein erstrebenswerter Fortschritt.Anstatt also die Geldmenge ständig auszuweiten und entsprechend zu entwerten, kann ich mir durchaus eine nahezu konstante Geldmenge vorstellen, bei der unser Vorteil darin besteht, dass dank Technologie die Güter billiger werden und ich mir für meinen konstanten Lohn mehr leisten kann.
Du willst uns also weis machen, dass Deflation gut ist für die Wirtschaft? Das mag im Falle einer einigen Produktesparte (Computer, Brot) stimmten, aber sobald eine Deflation auch auf den Primären, Sekundären und Tertiären Wirtschaftssektor durchgegriffen hat ist das alles andere als Positiv. Ein technischer Fortschritt löst Deflation in einer Produktesparte aus, eine Deflation durch das Geldsystem in der gesamten Wirtschaft. Mit deutlicheren Folge als die Erfindung eines Mähdreschers.
#164
Du willst uns also weis machen, dass Deflation gut ist für die Wirtschaft?
Kommt drauf an, in welchem Sektor und wie die potenziellen Käufer darauf reagieren:
Im Konsumbereich ist Deflation positiv: Wir bekommen heute Handys und Laptops günstiger als vor x Jahren. Wir wissen, dass wir Handys und Laptops in einigen Jahren noch günstiger kriegen werden aber wir kaufen trotzdem. Das Argument "Deflation ist schädlich, weil niemand mehr kauft und auf günstigere Preise wartet" ist also hinfällig.

Das gilt insbesondere für Güter des täglichen Bedarfs: Auch wenn wie bei Brot günstigere Preise erwarten, werden wir heute kaufen, weil wir es heute und jetzt brauchen und nicht erst in ein paar Monaten.

Im Investitionsgüterbereich kann Deflation zum Problem werden. Autos sind hier ein Beispiel. Aber auch Immobilien oder Produktionsmaschinen. Also Dinge, die relativ teuer sind und bei denen wir mit der Anschaffung locker ein paar Jahre warten können, wenn wir günstigere Preise erwarten.

Aber um auf das einzugehen, was Du mit Deiner Frage wirklich meinst:

Ich halte die Deflations-Panik für eine bewusst von der Politik, den Banken gesteuerte Panik, die uns nur deshalb Angst vor günstigeren Preisen machen will, um uns im Gegenzug von den Vorteilen der Inflation zu überzeugen. Denn Inflation ist schleichende Entreicherung der Massen zu Gunsten der hoch verschuldeten Staaten. Es liegt also im ureigendsten Interesse der Staaten, uns die Entreicherung durch Inflation (also Gelddruckerei) schmackhaft zu machen.

Und wenn Inflation schleichende Ent-reicherung der Massen ist, dann wäre ja (Gott behüte!) Deflation im Gegenzug die schleichende Be-reicherung der Massen zu Ungunsten des Staates. Und das muss natürlich mit allem Mitteln verhindert werden

:shock:

(Aber ok, Du darfst das auch als fabian'sche Verschwörungstheorie beurteilen ;) )

#165
Denn Inflation ist schleichende Entreicherung der Massen zu Gunsten der hoch verschuldeten Staaten. Es liegt also im ureigendsten Interesse der Staaten, uns die Entreicherung durch Inflation (also Gelddruckerei) schmackhaft zu machen.
Leider geht es nicht nur zugunsten der verschuldeten Staaten, sondern auch zu Gunsten der 1%. Denn die haben ihr Vermögen nicht in Barem, sondern in Sachwerten und diese Gewinnen durch die Inflation!Beispiel gefällig? Kaufe eine Yacht 2012. Kosten 2 Mio. Nutze die Yacht 5 Jahre (na ja, steht meist nur im Hafen rum...)Teuerung nach 5 Jahren + 20%Verkaufe die Yacht 2017. Da gleiche Yachten nun 2 Mio + 25% kosten, geht der Gebrauchtkäufer von 2.5 Mio. aus und hat dadurch eine grössere Zahl im Kopf. Daher besteht die Möglichkeit, dass der Verkaufspreis höher ausfällt. Z. B. 1.25 Mio. anstatt nur 1 Mio.Der Verkäufer hat damit von der Inflation profitiert..... und verliert NUR 0.75 Mio. in 5 Jahren :lol: Gut war ein Wochenendewitzchen. Aber ernsthaft, das Beispiel spielt tatsächlich eine Rolle bei "alten" Yachten. So ab 15 Jahren halten diese den Preis auf Niveau Neuwert. Da in der Zwischenzeit durch die laufende Inflation UND den technischen Fortschritt, wie auch die Anspruchshaltung die Yachten nach 15 Jahren mehr doppelt so teuer sind. Der Gebrauchtkäufer "sieht", dass er ein X-Meterschiff kaufen kann, das neu mehr als doppelt soviel kostet. Dass das Gebrauchtangebot fast dem ehemaligen Neupreis entspricht, blendet er aus oder weiss es nicht einmal, da der ehemalige Preis gar nicht so einfach zu ermitteln ist. Besonders wenn viel zusätzlich investiert wurde. Viel Spass beim segeln.......http://www.volvooceanrace.com/en/racetracker/rdc.html
#166
Lass mich diesen Punkt mal aufgreifen, denn damit lässt sich fast alles andere erklären.Die erste Frage lautet mal, wie ein Russe innert 20 Jahren (seit dem Zusammenbruch der UdSSR) zum Milliardär werden konnte. Sicher nicht durch fleissige Arbeit.Vermutlich eher durch einen Management-Buyout à la Gazprom: Man nimmt einen Kredit über $800 Mio auf und kauft dafür ein staatliches Unternehmen, das einen Wert von $13 Mrd. hat!Hier beginnt also schon mal der Sündenfall, dass ein Russe eine Milliarde hat. Darauf kassiert er nämlich Zinsen. Sagen wir 3%, was 30 Mio. Einkommen pro Jahr entspricht, für das er nicht arbeiten muss.Und wer generiert diese 30 Mio an Zinsen? Richtig: Eine Menge Arbeiter der Mittelschicht. Von daher ist es sicher richtig zu fordern, dass solche Vermögen höher besteuert werden. Und damit meine ich höher als die 13% Steuer-Flat-Rate, die in Russland derzeit gilt.
@MF: Lassen wir mal das Thema beiseite, wie der russische Milliadär zu seinem Geld gekommen ist. Aus früheren Diskussionen mit Dir weiss ich, dass für Dich Zinsen "des Teufels Zeug" ist und Du darin die Wurzel allen Übels siehst. Die Frage ist immer, wofür der Schuldner das Geld aufnimmt. Wenn er damit eine Maschine kauft, mit der er einen Hammer herstellen kann und damit einen Profit von CHF 9.- pro verkaufter Hammer macht, dann ist es doch gerecht, dass er seinen Geldgeber an seinem Erfolg beteiligt in Form von Zinszahlungen. Denn hätte der Geldgeber dem Produzenten des Hammers nie das Geld geliehen, so hätte er nie den Profit aus dem Verkauf der Hämmer machen können.
Beispiel: Ein Land macht 1% Handelsbilanzdefizit. Nun werden die Steuern mal für ein Jahr um 4% erhöht, um das wieder auszugleichen. Danach werden sie wieder gesenkt. Das spürt kaum einer. Und es geht auch nicht darum den Gürtel enger zu schnallen sondern ihn einfach passend anzulegen. Und nicht zwei Löcher weiter aufmachen und sich dann den Bauch anfressen, bis er in den Gürtel passt.
In der Regel werden solche Sondersteuer nicht mehr zurückgenommen. Die Wehrpflichtersatzsteuer war auch einmal als temporäre Steuer während des zweiten Weltkriegs. Frag mal die Deutschen zum Solizuschlag. Diese wird wohl bis auf weiteres nicht aufgehoben. Daher werden die Leute wohl die Steuererhöhung eher dauerhaft spüren. Das liegt einfach in der Natur der Steuern und der Politik. Und mit den Mehreinnahmen planen die Politiker dann im Folgejahr gleich, wie sie die Mehreinnahmen ausgeben können.Als generelles Problem bei Staatshaushalte ist, dass diejenigen, sprich Politiker, welche darüber entscheiden, wie das Geld ausgegeben werden soll, nicht dafür verantwortlich sind, das Geld zu erwirtschaften und gehen daher auch nicht sorgfältig mit dem Geld um. Die meisten von uns überlegen vielleicht zweimal, wie sie ihr Einkommen ausgeben sollen und ob sie einen gewissen Kauf wirklich tätigen sollen.
#167
@MF: Lassen wir mal das Thema beiseite, wie der russische Milliadär zu seinem Geld gekommen ist. Aus früheren Diskussionen mit Dir weiss ich, dass für Dich Zinsen "des Teufels Zeug" ist und Du darin die Wurzel allen Übels siehst. Die Frage ist immer, wofür der Schuldner das Geld aufnimmt. Wenn er damit eine Maschine kauft, mit der er einen Hammer herstellen kann und damit einen Profit von CHF 9.- pro verkaufter Hammer macht, dann ist es doch gerecht, dass er seinen Geldgeber an seinem Erfolg beteiligt in Form von Zinszahlungen. Denn hätte der Geldgeber dem Produzenten des Hammers nie das Geld geliehen, so hätte er nie den Profit aus dem Verkauf der Hämmer machen können.
Die Frage ist nicht die verlangte Zinszahlung. Die Frage ist, woher hatte die Bank das Geld das sie als Kredit vergibt und dafür Geld (Zins) verlangt. Solange sie das Geld von z.B. Sparern "einsammelt" und als Mittler auftritt, also eine Dienstleistung erbringt (Sammeln von Geld, Vergabe von Krediten NACH Überprüfung der Sicherheiten, Begleitung der Rückzahlungen, Bereitstellung der gesammelten Gelder zur Rückzahlung auch im "Vorzeitigen Fall" usw.) so ist die Abgeltung dieser Leistung selbstverständlich gerechtfertigt. Bezieht die Bank aber das Kreditvolumen über die "virtuelle Geldschöpfung" so sehe ich die Berechtigung nicht. Weshalb soll der Kreditnehmer den Kredit nicht direkt beim Staat erhalten, er braucht eigentlich keinen "Zwischenhändler". Solche haben das Geschäft schon immer vor allem verteuert.....
#168
Aus früheren Diskussionen mit Dir weiss ich, dass für Dich Zinsen "des Teufels Zeug" ist und Du darin die Wurzel allen Übels siehst.
Nicht unbedingt. Es gibt sinnvolle Schulden (Du hast das Beispiel erwähnt) und wenn man die Schulden zurückzahlt sind die Zinsen auch kein Problem.Problematisch ist's bei Staaten, die Schulden nie zurückzahlen, jährlich Neuverschuldung und Zinsen draufpacken und sich dann wundern, wenn die Schulden exponentiell steigen.
#169
Problematisch ist's bei Staaten, die Schulden nie zurückzahlen, jährlich Neuverschuldung und Zinsen draufpacken und sich dann wundern, wenn die Schulden exponentiell steigen.
Wie geschrieben, das liegt in der Natur der Politiker. Die wollen vom Volk wiedergewählt werden und werden sich dadurch hüten, unpopuläre Sparmassnahmen einzuleiten. Oder die Politiker denken, nach mir die Sintflut und überlassen das Schuldenproblem ihren Nachfolgern. Wäre es Dir lieber, wenn die Staaten Schulden zu 0.00% Zins aufnehmen könnten?
#170
Wie geschrieben, das liegt in der Natur der Politiker. Die wollen vom Volk wiedergewählt werden und werden sich dadurch hüten, unpopuläre Sparmassnahmen einzuleiten. Oder die Politiker denken, nach mir die Sintflut und überlassen das Schuldenproblem ihren Nachfolgern. Wäre es Dir lieber, wenn die Staaten Schulden zu 0.00% Zins aufnehmen könnten?
Ja, es wäre mir lieber, wenn der Staat zu 0% Schulden aufnehmen können. Aber das löst das Problem der Politiker nicht, wie Du sehr schön im ersten Absatz formuliert hast.Daraus entstehen zwei Schlussfolgerungen:1. Man darf die Geldmenge nicht durch Politiker kontrollieren lassen. Eine unabhängige jedoch staatliche Zentralbank bzw. eine Monetative wäre also wünschenswert. Oder eben man überlässt es dem freien Markt, Geld auszugeben.2. Man muss Politikern die Möglichkeit nehmen, Schulden zu machen. Der Staat muss geführt werden wie eine Firma oder ein Privathaushalt. Schulden wären dann höchstens noch möglich, wenn man die Rückzahlung bereits mit eingeplant hat. Sprich z.B. eine MWST- oder Steuererhöhung schon "in der Tasche" hat.Entsprechend wäre die Politik dann gezwungen, dem Volk reinen Wein einzuschenken: "Wollt ihr einen Gotthard-Tunnel?"* Nein* Ja, aber dafür werden die Steuern während 10 Jahren um 2% erhöht* Ja und dafür steigt der Liter Benzin um 10 Rp. bis der Tunnel bezahlt ist* Ja. dafür wird die MWST um 1% erhöht.(Zutreffendes bitte ankreuzen)
#171
Entsprechend wäre die Politik dann gezwungen, dem Volk reinen Wein einzuschenken: "Wollt ihr einen Gotthard-Tunnel?"* Nein* Ja, aber dafür werden die Steuern während 10 Jahren um 2% erhöht* Ja und dafür steigt der Liter Benzin um 10 Rp. bis der Tunnel bezahlt ist* Ja. dafür wird die MWST um 1% erhöht.(Zutreffendes bitte ankreuzen)
Im Wahlkampf in Frankreich ist zu sehen, dass Politiker dem Volk lieber Sand in die Augen streuen, als reinen Wein einzuschenken. Vor allem wenn nur alle paar Jahre eine Abstimmung stattfindet.Ist die moderate Staatsverschuldung der Schweiz, allenfalls auf die direkte Demokratie zurückzuführen? Oder machen wir uns was vor?Immerhin wird das Volk zu grossen Projekten befragt. Da müssen dann auch die Kosten publik gemacht werden.
#172
Da müssen dann auch die Kosten publik gemacht werden.
Na fast: Nur Kostenschätzungen (die dann naturgemäss überschritten werden).
Wobei auch die Staatsschulden nicht das einzige Problem sind: Auf der gesamten Geldmenge muss Zins bezahlt werden. Wenn der Staat weniger Schulden hat, dann haben halt Private oder Unternehmen mehr.

In der Schweiz liegt die Gesamtverschuldung bei 300% GDP (ähnlich hoch wie Italien). Allerdings ist bei uns der Staat vergleichsweise gering verschuldet.

#173
Und so viel ich weiss, kommen die 300% in der CH v.a. durch die vergleichsweise hohen Hypothekarschulden (also grundpfandgesicherte Schulden) zu stande. Ich vermute mal, in Italien (oder gar der USA!) sind Privatschulden viel öfter Konsumkredite.

#174
Ja, es wäre mir lieber, wenn der Staat zu 0% Schulden aufnehmen können. Aber das löst das Problem der Politiker nicht, wie Du sehr schön im ersten Absatz formuliert hast.
OK, der Staat kann sich zu 0% refinanzieren. Dann könnte ich als gewiffter Politiker vor der Wahl folgendes versprechen: "Wenn Ihr mich wählt, dann verspreche ich Euch, die Steuern um 50% zu senken!" Warum soll ich die Bevölkerung schröpfen, wenn ich das Defizit mit Schulden, welche mich nichts kosten, finanzieren kann? Somit steigen meine Schulden auch an. Ich sehe in den Zinszahlungen auch eine disziplinierende Massnahme für Politiker. Darum ist es m.E. besser, wenn sich Staaten nicht zu 0% finanzieren können.
Daraus entstehen zwei Schlussfolgerungen:1. Man darf die Geldmenge nicht durch Politiker kontrollieren lassen. Eine unabhängige jedoch staatliche Zentralbank bzw. eine Monetative wäre also wünschenswert. Oder eben man überlässt es dem freien Markt, Geld auszugeben.2. Man muss Politikern die Möglichkeit nehmen, Schulden zu machen. Der Staat muss geführt werden wie eine Firma oder ein Privathaushalt. Schulden wären dann höchstens noch möglich, wenn man die Rückzahlung bereits mit eingeplant hat. Sprich z.B. eine MWST- oder Steuererhöhung schon "in der Tasche" hat.
Wenn der Staat Geld auf dem Markt aufnimmt, dann steht der Staat in Konkurrenz mit anderen Schuldnern, die ebenfalls Anleihen herausgeben. Da wird sich der Geldgeber wohl nicht bereit sein, sein Geld zu 0% an einen Staat auszuleihen, wenn er bei Schuldner gleicher Qualität eine positive Rendite erwirtschaften kann. Ich weiss, momentan kann die Eidgenossenschaft kurzfristig verschulden zu negativen Zinsen. Aber das ist in der Regel nicht der Normalfall. Zu 2. bin ich teilweise anderer Meinung wie Du. Der Staat soll durchaus die Möglichkeit haben, Schulden zu machen, besonders wenn es um Infrastrukturprojekte geht. Von einem Gotthard-Basistunnel werden auch noch Generationen nach uns profitieren können. Wenn die neuen Schulden kleiner sind als die infrastrukturausgaben, dann habe ich kein Problem mit einem Staatsdefizit. Es wird praktisch niemand von uns ein Haus bauen, ohne das er dafür eine Hypothek aufnimmt. Was man aber verhindern sollte, ist Schulden zu Gunsten von Konsum auszugeben. Das betrifft vor allem Sozialausgaben, welche über Schulden finanziert werden. Ich glaube, dafür haben wir in der Schweiz die Schuldenbremse eingeführt, um das zu verhindern. Leider kennen nur sehr sehr wenige Länder eine Schuldenbremse.
#175
Da müssen dann auch die Kosten publik gemacht werden.
Na fast: Nur Kostenschätzungen (die dann naturgemäss überschritten werden).Wobei auch die Staatsschulden nicht das einzige Problem sind: Auf der gesamten Geldmenge muss Zins bezahlt werden. Wenn der Staat weniger Schulden hat, dann haben halt Private oder Unternehmen mehr.

In der Schweiz liegt die Gesamtverschuldung bei 300% GDP (ähnlich hoch wie Italien). Allerdings ist bei uns der Staat vergleichsweise gering verschuldet.
Wenn sich die Privatperson verschuldet, so kann man ja sagen, dies sei ein Geschäft zwischen einem mündigen Bürger und der Bank.

Doch wenn der Staat sich verschuldet, so tut er dies auf dem Buckel der Allgemeinheit. Vor allem auf dem Buckel der zukünftigen Allgemeinheit.

Es gilt als selbstverständlich, beim Kauf einer Immobilie, einen Kredit aufzunehmen. Bis zu 90%. Selbst wenn man die Mittel hätte. Die Begründung liegt in der Annahme, dass man mit seinen Anlagen mehr herausholen kann, als die Zinsen, die man auf seinem Kredit bezahlt. Was allerdings in den letzten 10 Jahren, bei den wenigsten der Fall war.

Zudem gibt es steuerlich einen Vorteil. Was heisst, der Staat sponsert die Idee, auf Pump Immobilien zu erwerben.

(Übrigens, im Falle einer WR wären ja die, welche Schulden haben, die Schlauen)

Schulden müssten doch als etwas aussergewöhnliches gesehen werden. Ich jedenfalls will keine Schulden haben. Weil ich ja nicht weiss, wozu das führen kann.

Ich kann auch nicht verstehen, wie Leute bei den heutigen Preisen für Immos, bedenkenlos sich verschulden bis zu 90% des Kaufpreises und Banken das mitmachen. Da braucht es ja nur ein Lüftchen im Immomarkt und die Preise sind unter diesen 90%.

Das sieht man jetzt auch bei den Staatsschulden, welche Dynamik in Schulden schlummern.

Schulden sind eine Zeitbombe. Vor allem wenn man sie als selbstverständlich, annimmt. Und nicht als etwas, was man zurückbezahlt, samt Zinsen.

Zinslose Schulden würden aber doch zu noch mehr Schulden animieren.

#176
Das betrifft vor allem Sozialausgaben, welche über Schulden finanziert werden.
Ok und welche Sozialausgaben werden momentan über Schulden finanziert?
#177
Zinslose Schulden würden aber doch zu noch mehr Schulden animieren.
Das will ich noch mit einem Fragezeichen versehen.Zinsloses Geld. Wer wird denn sein Geld zinslos ausleihen?Würde da nicht der Kredit-Hahn zugedreht?Jedoch. Die tiefen Zinsen, sind ja auch ein Grund für das Explodieren der Schulden z.B. in Amerika. ?Die USA können sich immer noch sehr günstig verschulden.Die Schweiz könnte sich z.Z. zu sehr sehr tiefen Zinsen verschulden.Weshalb sollte sie das eigentlich nicht ausnutzen?Man könnte damit z.B. die Energiewende finanzieren.Und das wäre langfristig gesehen, sicher kein rausgeschmissenes Geld.Stellt euch vor, in dreissig Jahren.Die Schweiz bezieht ihren Strom zu über 100% aus eigener Produktion.....( vorwiegend, Wasser, Wind und Sonne 8-) ).......z.B. Sie hätte im grossem Stil investiert in Projekte. Auch in Tunesien und Ägypten, z.B.Ob es sich schaffen lässt, innerhalb von dreissig Jahren auf erneuerbare Energien umzusatteln?Aber es wäre ein Ziel. Etwas utopisch. Aber macht doch Sinn. Find ich.Käme es zu einer WR........ dann wären wir auch die Schulden los............ :mrgreen:
#178
Das betrifft vor allem Sozialausgaben, welche über Schulden finanziert werden.
Ok und welche Sozialausgaben werden momentan über Schulden finanziert?
Zum Beispiel IV, Arbeitslosenkasse, EO (inkl. Mutterschaftsversicherung), wenn wir nichts machen, dann die AHV,...
#179
Die Schweiz könnte sich z.Z. zu sehr sehr tiefen Zinsen verschulden.Weshalb sollte sie das eigentlich nicht ausnutzen?Man könnte damit z.B. die Energiewende finanzieren.Und das wäre langfristig gesehen, sicher kein rausgeschmissenes Geld.Stellt euch vor, in dreissig Jahren.Die Schweiz bezieht ihren Strom zu über 100% aus eigener Produktion.....( vorwiegend, Wasser, Wind und Sonne 8-) ).......z.B. Sie hätte im grossem Stil investiert in Projekte. Auch in Tunesien und Ägypten, z.B.Ob es sich schaffen lässt, innerhalb von dreissig Jahren auf erneuerbare Energien umzusatteln?Aber es wäre ein Ziel. Etwas utopisch. Aber macht doch Sinn. Find ich.Käme es zu einer WR........ dann wären wir auch die Schulden los............ :mrgreen:
Vgl. zum Thema Energiepolitik auch den Thread: Energiepolitik Schweiz (http://www.trader-forum.ch/viewtopic.php?f=20&t=512&p=11442#p11442)Ich habe mir auch schon Gedanken gemacht. Was wäre, wenn die SNB anstelle 100 von Milliarden Euros aufkauft, einen Superfonds mit vielleicht 500 Mrd. Fr. aufmachen würde? Mit diesem würde dann im grossen Stil in Projekte im In- und Ausland investiert werden, um die Energiewende zu schaffen. Im Inland könnte damit zum Beispiel die Gebäudesanierungen finanziell unterstützt werden. Im Ausland könnte es in Projekte wie Desertec oder Wasserstoffproduktion mit Hilfe von Sonnenenergie investiert werden. Das Geld könnte in der Schweiz in Forschung und Entwicklung investieren und somit einen neuen Industriezweig pushen. Anfang den 60ern hat Präsident Kennedy sein Land auch darauf eingeschworen, bis Ende des Jahrzehnts einen Amerikaner auf den Mond und zurück zu bringen. Und die Amerikaner haben dieses ehrgeizige Ziel erreicht. Vielleicht fehlt bei uns ein so charismatischer Bundesrat wie Kennedy, der für uns ebenfalls solche Ziele definieren kann.
#180
OK, der Staat kann sich zu 0% refinanzieren. Dann könnte ich als gewiffter Politiker vor der Wahl folgendes versprechen: "Wenn Ihr mich wählt, dann verspreche ich Euch, die Steuern um 50% zu senken!" [...]Wenn der Staat Geld auf dem Markt aufnimmt, dann steht der Staat in Konkurrenz mit anderen Schuldnern, die ebenfalls Anleihen herausgeben.
Wir vermischen hier zwei Dinge:1. Im Moment Z.B. EU ist es so, dass die EZB den Banken Kredit zu 0.75% gewährt und diese wiederum dieses Geld zu 3% bis 6% an Italien, Spanien oder Griechenland weitergeben und die Zinsdifferenz kassieren. Warum soll sich Italien, Spanien oder Griechenland nicht direkt bei der EZB Kredit zu 0.75% holen können? Warum müssen die Banken als Intermediäre eingeschaltet werden und dabei kassieren? Aber das bezieht sich auf das aktuelle System.2. In einem neuen, Vollgeld-System würde der Staat überhaupt keine Schulden machen oder aber - wie oben beim Beispiel Gotthardtunnel - die Rückzahlung des Kredites bereits vor Schuldenaufnahme einplanen müssen.3.
Da wird sich der Geldgeber wohl nicht bereit sein, sein Geld zu 0% an einen Staat auszuleihen, wenn er bei Schuldner gleicher Qualität eine positive Rendite erwirtschaften kann.
Der Staat steht nie in Konkurrenz mit anderen Schuldnern, da sich der Staat - auch in der Schweiz - immer direkt bei der Zentralbank verschulden kann. Der EU-Raum ist - siehe Punkt 1. - hierbei eine Ausnahme. Normalen Schuldnern wie Unternehmen oder Privaten steht diese Möglichkeit nicht zur Verfügung. Sie können sich nur bei Banken verschulden, die dann ihrerseits entweder direkt oder über Geschäftsbanken (= Grossbanken) Kredite bei der Zentralbank aufnehmen können.

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